Das perpetuelle Coming-Out

Auch eine Sache, über die sich unsere heterosexuellen Mitmenschen und Mitmenschinnen nie Gedanken machen (müssen): Das Coming-Out gegenüber der Umwelt ist nicht ein einziger, großer Kraftakt, sondern begleitet uns ein Leben lang. Es hört einfach nie auf. Und irgendwann macht es auch keinen Spaß mehr.

Gestern war ich (wie berichtet) beim Barbier. Bei den Barbieren, genauer gesagt. Einer war neu. Und prompt kam zwischendurch die Frage: „Und was sagt deine Frau zu deinem langen Bart?“

Man hat in diesem Moment maximal zwei bis drei Sekunden, um zu entscheiden, was man macht:

  1. „Ich bin nicht verheiratet …“
  2. „Die hat sich daran gewöhnt!“
  3. „Ähm – mein Mann findet den auch richtig gut!“

Das erste und zweite sind für mich seit meinem ungefähr genauso spontan von einem Kollegen bei meiner ersten Arbeitsstelle provozierten Coming-Out vor über zwanzig Jahren keine Option mehr. Trotzdem folgen nach dem Platzen der Bombe ein paar Sekunden, wo man bang wartet, wie darauf reagiert wird.

Schon heute passierte es wieder: Ein Kollege in meinem Alter, den ich bisher nur vom Sehen kannte, mit dem ich jetzt aber was zu tun habe, fragte mich nach der Art meines „Dr.“, weil er selbst auch einen hat, und wollte dann wissen, warum ich damit  nicht nach China gegangen sei …

  1. „Die politische Situation …“
  2. „Die Umweltverschmutzung…“
  3. Ich hatte zwischendurch mein Coming-Out, und offen leben war in den 1990ern in China undenkbar!“

Manchmal hat man Monate oder Jahre lang Ruhe, und dann kommen unverhofft wieder solche Situationen, in denen man Regenbogenfarbe bekennen muss!

Aber ich sehe schon: Als altern Knacker werde ich mal unausstehlich!

Beim Barbier in S4

Nach über acht Wochen war ich mal wieder in Quagliatas Barbershop in S4. Der Bart hatte inzwischen – vor allem in der Breite – Marx’sche Dimensionen angenommen und musste dringend professionell in die Schranken gewiesen werden.

Daniele hat inzwischen den Meister gemacht, und dabei noch einen dritten, ebenfalls italienischen Barbier aufgetan. Und so waren sie jetzt zu dritt am Barbieren und Frisieren, unterstützt von Freunden und Verwandten, die vorbei schauten, die Arbeit begutachteten, plauderten, einen Espresso tranken, und wieder gingen. Auch der Barbershop-Hund, den ich vor einem Jahr noch ganz klein kennengelernt hatte, bekam heute Besuch von einem kleinen Hundebaby, die sich fröhlich begrüßten.

Durch die drei muss man jetzt bestimmt auch nicht mehr wochenlang auf einen Termin warten! So kam ich auch nach nur wenigen Minuten Wartezeit dran, beim Chef selber. Und es gab Einiges wegzuschnippeln!

Mein Bart ist tatsächlich – auch nach dem Stutzen – deutlich länger als vor acht Wochen (Bild unten zum Vergleich).

Übrigens hat Daniele jetzt ein völlig unparfümiertes Bartöl von Beard Pride im Angebot – endlich hat jemand Erbarmen mit uns Parfümverächtern!

Und dann war da noch …

… das Soft-Skill Training, in dem in der Vorstellungsrunde die Frage: „Was wäre dein Traumjob, wenn du es dir aussuchen könntest?“ gestellt wurde.

Antwort: „Für ein professionelles SM-Studio bin ich jetzt wohl zu alt, aber Wasserspeier an einer gothischen Kathedrale wäre echt cool“

Ironie des Schicksals

Was folgt mag vielleicht als Prahlerei ausgelegt werden, ist aber nicht so gemeint.

Tatsache ist: Seit ein, zwei Jahren werde ich plötzlich von den Männern angebaggert, die mich vor fünf Jahren überhaupt nicht beachtet haben, und an die ich mich nie rangetraut hätte!

Damit meine ich nicht die 20- bis 35-Jährigen mit Daddy-Komplex. Die gibt es auch zu Hauf. Und etliche davon sind auch wirklich nett! Und geil! Aber sie sind und waren nie meine „Zielgruppe“. Dabei kann ich sie sehr gut verstehen, denn ich stand in dem Alter ja auch schon auf „Ü40“.

Ich meine die attraktiven Leder/Fetisch/Szene-Männer, die ich immer anziehend fand, zu deren Sphäre – schüchtern und introvertiert wie ich bin (lachtnich – isso!) – ich mich aber nie so recht zugehörig fühlte.  Und die bärtigen, dunkelhaarigen Typen, denen ich immer nachgehechelt habe, aber die sich früher nie für mich interessiert haben!

Und die klopfen nun plötzlich virtuell an und wollen sich mit mir treffen! Jetzt, wo ich, ohne mit meinem Alter zu kokettieren, sondern mit ernstem Bedauern „Ich bin halt keine 18 mehr!“ sagen muss.

Woran liegt das? Der imposante graue Bart allein kann es nicht sein. Und dass ich in den vergangenen drei Jahren Dank der zeitweisen Schließung des Kraftraumes in der Firma einen Heimtrainer angeschafft, und seither ein bis zwei Hemdengrößen zugelegt habe auch nicht: Ich bin immer noch eher dürr als drahtig.

Ich werde es wohl nie wissen! Also nehme ich es einfach dankbar hin und genieße die ungewohnte Aufmerksamkeit, solange sie noch andauert!

Veranstaltungshinweis: 25 Jahre RosaKehlchen

In den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Homosexuellen in Deutschland noch richtig diskriminiert wurden, da gab es einen gut gelaunten Schwulenchor aus Heidelberger – die RosaKehlchen. Wir traten in Straps und Fummel auf. Manchmal fielen die Brust-Implantate aus den Kostümen. In unserem Jubiläumsprogramm präsentieren wir Highlights und Anekdoten aus all den bewegten Zeiten.

Gezeigt wird ein buntes Potpourri der schönsten Lieder aus den vergangen 25 Jahren gemischt mit zotigen Anekdoten und lustigen Begebenheiten aus dem Choralltag und einem Wiedersehen mit beliebten Figuren aus unseren Programmen.

Es wird drei Konzertabende geben:

05.04.2017 – 20:00 Uhr: Vorpremierengala im Olympia Kino Leutershausen
https://www.facebook.com/events/1760767037570858/

Karten: 15,00€ im Vvk

13.05.2017 – 19:00 Uhr: Jubiläumsgala im Karlstorbahnhof Heidelberg

https://www.facebook.com/events/247844568996222/

Karten: 15,30 € im Vvk

29.07.2017: Jubiläumsgala im Mayers Brauhaus Ludwigshafen

https://www.facebook.com/events/1948395982061241/

Karten: Eintritt Frei – Spenden sind willkommen

Alle Termine findet ihr auch unter https://www.rosakehlchen.de/termin

Die RosaKehlchen und ich freuen sich auf euren Besuch!

Beim Zehnjährigen war ich dabei …

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„Jails“ öffnet wieder!

This just in…

Hallo zusammen!
Es hat ein wenig gedauert bis das endgültige OK vom Amt kam – aber nun liegt es endlich vor.

Das Jails wird nach einer Pause (von leider sieben Monaten) am kommenden Freitag endlich wieder seine Stahltür öffnen um für Euch da zu sein.

Wir freuen uns Euch wieder im Keller begrüßen zu dürfen.

Euer Team Jails
Das Jails in Mannheim – the legend never dies!